Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 18

Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit

Es war immer die Absicht Satans, die Gemüter des Volkes von Jesus zu den Menschen/auf die Menschen hinzuziehen und persönliche Verantwortlichkeit zu vernichten. Satan versagte in seiner Absicht, als er den Sohn Gottes versuchte. Er hatte mehr Erfolg, als er zum gefallenen Menschen kam. Die Lehre der Christenheit war verdorben worden. Päpste und Priester maßten sich an, erhabene Stellungen einzunehmen und lehrten das Volk, für Vergebung ihrer Sünden auf sie zu schauen, anstatt persönlich auf Christus zu schauen. Die Bibel wurde von ihnen fern gehalten, um die Wahrheiten zu verbergen, die sie verdammen würden.

Das Volk wurde gänzlich verführt. Es wurde ihnen gelehrt, dass die Päpste und Priester Christi Stellvertreter seien, während sie in Wirklichkeit die Stellvertreter Satans waren; und wenn das Volk sich vor ihnen niederbeugte, so betete es Satan an. Das Volk verlangte die Bibel; aber die Priester hielten es für gefährlich, es das Wort Gottes haben und selbst lesen zu lassen, damit es nicht erleuchtet würde und ihre Sünden bloßgestellt seien. Das Volk wurde gelehrt, auf diese Betrüger zu schauen und jedes Wort von ihnen als aus dem Munde Gottes zu empfangen. Sie hatten die Gewalt über den Verstand, die Gott alleine haben sollte. Und wenn irgend jemand es wagte, seinen eigenen Überzeugungen zu folgen, dann würde derselbe Hass gegen ihn entbrennen, den Satan und die Juden Jesus gegenüber ausübten; und diejenigen, die Macht hatten, würden nach seinem Blut dürsten. Mir wurde eine Zeit gezeigt, in der Satan besonders triumphierte. Scharen von Christen wurden auf schreckliche Weise umgebracht, weil sie die Reinheit ihrer Religion bewahren wollten.

Die Bibel war verhasst, und es wurden Anstrengungen unternommen, das kostbare Wort Gottes von der Erde zu räumen. Es war bei Todesstrafe verboten, die Bibel zu lesen; und alle Abschriften des heiligen Buches, die gefunden werden konnten, wurden verbrannt. Aber ich sah, dass Gott besonders Fürsorge für sein Wort trug. Er beschützte es. Zu verschiedenen Zeiten gab es nur einige wenige Abschriften der Bibel, doch Gott ließ nicht zu, dass sein Wort verloren gehen würde. Und in den letzten Tagen würden die Abschriften der Bibel so vervielfältigt werden, dass jede Familie sie besitzen könnte. Ich sah, als es nur sehr wenige Abschriften der Bibel gab, dass sie sehr kostbar und tröstend für die verfolgten Nachfolger Jesu war. Sie wurde in geheimster Weise gelesen und diejenigen, die dieses erhabene Vorrecht hatten, fühlten, dass sie eine Unterredung mit Gott, mit seinem Sohn Jesus und mit seinen Jüngern hatten. Aber dieses gesegnete Vorrecht kostete vielen von ihnen ihr Leben. Wenn sie entdeckt wurden, dann wurden sie vom Lesen des heiligen Wortes weggebracht zum Richtblock des Scharfrichers, auf den Scheiterhaufen, oder in den Kerker, um zu verhungern.

Satan konnte den Erlösungsplan nicht verhindern. Jesus war gekreuzigt worden und am dritten Tag wieder auferstanden. Satan sagte seinen Engeln, dass er sogar die Kreuzigung und Auferstehung zu seinem Vorteil erzählen lassen würde. Er hatte nichts dagegen, dass diejenigen, die Glauben an Jesus bekannten, daran glauben sollten, dass die Gesetze, die die jüdischen Schlachtopfer und Speisopfer regelten, mit dem Tod Christi aufhörten, wenn er sie weiterführen und zu dem Glauben bringen könnte, dass auch das Gesetz der Zehn Gebote mit Christus starb.

Ich sah, dass viele sich bereitwillig diesem Plan Satans fügten. Der ganze Himmel wurde von Entrüstung ergriffen, als sie das heilige Gesetz Gottes unter die Füße getreten sahen. Jesus und das ganze himmlische Heer waren bekannt mit der Natur von Gottes Gesetz; sie wussten, dass er es nicht ändern oder abschaffen würde. Der hoffnungslose Zustand des Menschen verursachte tiefsten Kummer im Himmel und bewegte Jesus dazu, sich anzubieten, um für die Übertreter von Gottes heiligem Gesetz zu sterben. Wenn sein Gesetz abgeschafft werden könnte, dann hätte der Mensch ohne den Tod Jesu gerettet werden können. Der Tod Christi zerstörte nicht das Gesetz seines Vaters, sondern erhob es und ehrte es und verlangte Gehorsam gegenüber allen seinen heiligen Vorschriften. Wäre die Gemeinde rein und standhaft geblieben, dann hätte Satan sie nicht verführen und dazu verleiten können, das Gesetz Gottes unter die Füße zu treten. In diesem dreisten Plan schlägt Satan direkt gegen die Grundlage von Gottes Herrschaft im Himmel und auf Erden. Seine Rebellion verursachte, dass er aus dem Himmel ausgestoßen wurde. Nachdem er rebelliert hatte, wünschte er, um sich zu retten, dass Gott sein Gesetz verändern würde. Aber Gott sagte Satan vor dem ganzen himmlischen Heer, dass sein Gesetz unveränderlich sei. Satan weiß, wenn er andere dazu veranlassen kann, Gottes Gesetz zu brechen, dann ist er ihrer sicher, denn jeder Übertreter seines Gesetzes muss sterben.

Satan beschloss, noch weiter zu gehen. Er sagte seinen Engeln, dass manche so eifrig für Gottes Gesetz sein würden, dass sie nicht in dieser Schlinge gefangen werden könnten; dass die Zehn Gebote so deutlich seien, dass viele glauben würden, sie seien immer noch bindend. Deshalb müsste er versuchen, das vierte Gebot, das den lebendigen Gott offenbart, zu verderben. Er führte seine Vertreter dahin, sich zu unterstehen den Sabbat zu verändern und das einzige der Zehn Gebote umzuändern, das den wahren Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde offenbart. Satan stellte ihnen die herrliche Auferstehung Jesu vor und sagte ihnen, durch seine Auferstehung am ersten Tag der Woche veränderte er den Sabbat vom siebenten auf den ersten Tag der Woche. So benutzte Satan die Auferstehung, um für seine Zwecke zu dienen. Er und seine Engel freuten sich, dass die Irrtümer, die sie vorbereitet hatten, so gut von den vorgeblichen Freunden Christi angenommen wurden. Auf was der eine mit frommen Schrecken blicken würde, das würde ein anderer annehmen. Die verschiedenen Irrtümer wurden angenommen und mit Eifer verteidigt. Der Wille Gottes, der deutlich in seinem Wort offenbart ist, wurde mit Irrtümern und Traditionen verdeckt, die als Gebote Gottes gelehrt wurden. Doch obwohl es zugelassen wurde, dass dieser den Himmel herausfordernde Betrug die Zeit hindurch bis zur zweiten Erscheinung Jesu fortgesetzt wird, so ist doch Gott durch alle diese Zeit des Irrtums und Betrugs nicht ohne Zeugen gelassen worden. Da waren immer treue und gläubige Zeugen, die alle Gebote Gottes durch die Dunkelheit und Verfolgung der Gemeinde hielten.

Ich sah, dass die Engel mit Erstaunen erfüllt wurden, als sie die Leiden und den Tod des Königs der Ehre erblickten. Aber ich sah, dass es für das Heer der Engel kein Wunder war, dass der Herr des Lebens und der Herrlichkeit, der den ganzen Himmel mit Freude und Glanz erfüllte, die Bande des Todes brach und als triumphierender Sieger aus seinem Gefängnis hervorging. Und wenn an eines dieser Ereignisse durch einen Ruhetag erinnert werden sollte, dann wäre das die Kreuzigung. Aber ich sah, dass keines dieser Ereignisse dazu bestimmt war, Gottes Gesetz zu verändern oder abzuschaffen, sondern sie geben den stärksten Beweis für seine Unveränderlichkeit.

Diese beiden wichtigen Ereignisse haben ihre Erinnerung. Durch die Teilnahme am Abendmahl des Herrn, an dem gebrochenen Brot und der Frucht des Weinstocks, verkündigen wir weiter den Tod des Herrn, bis er kommt. Indem wir diese Erinnerung einhalten, werden uns die Szenen seiner Leiden und seines Todes frisch ins Gedächtnis gebracht. Der Auferstehung Christi wird gedacht, indem wir bei der Taufe mit ihm begraben werden und dann aus dem Wassergrab auferstehen in Ähnlichkeit mit seiner Auferstehung, um in einem neuen Leben zu wandeln.

Mir wurde gezeigt, dass Gottes Gesetz für immer fest stehen wird und auf der neuen Erde für alle Ewigkeit bestehen wird. Bei der Schöpfung, als die Grundfesten der Erde gelegt wurden, blickten die Söhne Gottes mit Bewunderung auf das Werk des Schöpfers und das ganze himmlische Heer jauchzte vor Freude. Damals wurde die Grundlage des Sabbats gelegt. Am Ende der sechs Schöpfungstage ruhte Gott am siebenten Tag von allen seinen Werken, die er gemacht hatte; und er segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken. Der Sabbat wurde in Eden vor dem Fall eingesetzt und wurde von Adam und Eva und von dem ganzen himmlischen Heer gehalten. Gott ruhte am siebenten Tage und segnete und heiligte ihn; und ich sah, dass der Sabbat niemals abgeschafft wird, sondern die erlösten Heiligen und das ganze Heer der Engel werden ihn zur Ehre des großen Schöpfers für alle Ewigkeit halten.

Siehe 2. Thessalonicher 2,7‑17; Daniel 7; Offenbarung 13,1‑8; 1. Korinther 11,23‑26; Römer 6,3.4; 1. Mose 2,1‑4; Jesaja 66,22.23

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