Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 20

Die Reformation

Trotz aller Verfolgung und des Tötens der Heiligen, wurden doch überall lebendige Zeugen erweckt. Die Engel Gottes taten das Werk, das ihnen anvertraut war. Sie suchten an den dunkelsten Orten und erwählten aus der Finsternis Menschen, die aufrichtigen Herzens waren. Sie waren alle im Irrtum begraben, doch Gott erwählte sie, wie er es mit Saulus gemacht hat, als auserwählte Werkzeuge, um seine Wahrheit zu tragen und ihre Stimmen gegen die Sünden seines vorgeblichen Volkes zu erheben. Die Engel Gottes bewegten die Herzen von Martin Luther, Melanchthon und anderen an verschiedenen Orten, um nach dem lebendigen Zeugnis des Wortes Gottes zu dürsten. Der Feind war wie eine Flut hereingebrochen und die Fahne musste gegen ihn aufgerichtet werden. Luther wurde erwählt, gegen den Sturm anzukämpfen und gegen den Zorn einer gefallenen Kirche aufzustehen, um die wenigen zu stärken, die ihrem heiligen Glaubensbekenntnis treu geblieben waren. Er fürchtete immer, Gott zu beleidigen. Er versuchte, durch Werke die Gunst Gottes zu erlangen; aber das befriedigte ihn nicht, bis ein Lichtschimmer vom Himmel die Dunkelheit in seinem Verstand vertrieb und ihn dazu führte, nicht auf Werke zu vertrauen, sondern auf die Verdienste des Blutes Christi; und persönlich zu Gott zu kommen, nicht durch Päpste noch Beichtväter, sondern durch Jesus Christus allein. Oh, wie kostbar war diese Erkenntnis für Luther! Er schätzte dieses neue und kostbare Licht, das über sein dunkles Verständnis aufgegangen war und seinen Aberglauben forttrieb, höher als die reichsten irdischen Schätze. Das Wort Gottes war neu. Alles war verändert. Das Buch, das er gefürchtet hatte, weil er keine Schönheit darin sehen konnte, war Leben, LEBEN für ihn. Es war seine Freude, sein Trost, sein gesegneter Lehrer. Nichts konnte ihn dazu bringen, dass Studium desselben zu verlassen. Er hatte den Tod gefürchtet, doch als er das Wort Gottes las, verschwand all seine Furcht und er bewunderte den Charakter Gottes und liebte ihn. Er forschte in Gottes Wort für sich selbst. Er ergötzte sich an den reichen Schätzen, die es enthielt, und dann durchforschte er es für die Kirche. Er wurde angewidert durch die Sünden derer, denen er für Erlösung vertraut hatte. Er sah sehr viele in dieselbe Finsternis eingehüllt, die ihn bedeckt hatte. Er suchte besorgt eine günstige Gelegenheit, sie auf das Lamm Gottes hinzuweisen, das allein die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er erhob seine Stimme gegen die Irrtümer und Sünden der päpstlichen Kirche und verlangte ernsthaft danach, die Ketten der Finsternis zu brechen, die Tausende einschränkten und sie veranlassten, auf Werke für ihre Erlösung zu vertrauen. Er verlangte danach, befähigt zu werden, ihren Gemütern die wahren Reichtümer der Gnade Gottes und die Vortrefflichkeit der Erlösung, die durch Jesus Christus erlangt wird, zu öffnen. Er erhob seine Stimme eifrig und in der Kraft des heiligen Geistes schrie er gegen die bestehenden Sünden der Führer der Kirche; und als er dem Sturm des Widerstandes der Priester begegnete, versagte sein Mut nicht, denn er verließ sich fest auf den starken Arm Gottes und vertraute ihm zuversichtlich für den Sieg. Und als er den Kampf immer weiter trieb, entbrannte der Zorn der Priester gegen ihn. Sie wollten nicht reformiert werden. Sie wählten, in Bequemlichkeit, zügellosem Vergnügen und Gottlosigkeit gelassen zu werden. Sie wünschten, dass die Kirche in Finsternis gehalten wird.

Ich sah, dass Luther feurig und eifrig, furchtlos und kühn war, die Sünden zu tadeln und die Wahrheit zu verteidigen. Er kümmerte sich nicht um gottlose Menschen und Teufel. Er wusste, dass er Einen mit sich hatte, der mächtiger war als sie alle. Luther besaß Feuer, Eifer, Mut und Kühnheit und wäre zeitweise zu weit gegangen. Aber Gott erweckte Melanchthon, der gerade das Gegenteil im Charakter war, um Luther zu helfen und das Werk der Reformation weiterzutragen. Melanchthon war furchtsam, ängstlich, vorsichtig und besaß große Geduld. Er war sehr geliebt von Gott. Seine Kenntnis in den Schriften war groß und sein Urteil und seine Weisheit waren ausgezeichnet. Seine Liebe für die Sache Gottes war der Luthers gleich. Der Herr verband die Herzen dieser Männer miteinander; sie waren Freunde, die sich nie trennen sollten. Luther war eine große Hilfe für Melanchthon, wenn dieser in Gefahr war, furchtsam und langsam zu sein; und Melanchthon war ebenso eine große Hilfe für Luther, um ihn davon abzuhalten, zu schnell zu handeln. Melanchthons weitsichtige Vorsicht wendete oft Schwierigkeiten ab, die über die Sache gekommen wären, wenn die Arbeit allein Luther überlassen worden wäre; und oft wäre die Arbeit nicht vorangegangen, wenn sie Melanchthon allein aufgetragen worden wäre. Mir wurde die Weisheit Gottes gezeigt, indem er diese zwei Männer mit verschiedenen Charakteren auswählte, um das Werk der Reformation vorwärts zu tragen.

Ich wurde dann in die Tage der Apostel zurückversetzt und sah, dass Gott einen feurigen und eifrigen Petrus und einen sanften, geduldigen, demütigen Johannes als Gefährten erwählte. Manchmal war Petrus ungestüm. Und der geliebte Jünger hielt Petrus oft zurück, wenn sein Eifer und Feuer ihn zu weit führte; aber das besserte ihn nicht. Aber nachdem Petrus seinen Herrn verleugnet hatte und bereute und bekehrt wurde, war alles, was er brauchte, eine sanfte Warnung von Johannes, um sein Feuer und seinen Eifer zurückzuhalten. Die Sache Christi hätte oft gelitten, wenn sie allein Johannes überlassen worden wäre. Der Eifer von Petrus war notwendig. Seine Kühnheit und Energie erretteten sie oft aus Schwierigkeiten und brachten ihre Feinde zum Schweigen. Johannes war gewinnend. Er gewann viele für die Sache Christi durch seine geduldige Nachsicht und tiefe Hingabe.

Gott erweckte Menschen, um gegen die bestehenden Sünden der päpstlichen Kirche zu schreien und die Reformation vorwärts zu tragen. Satan suchte diese lebendigen Zeugen zu vernichten, aber Gott machte eine Mauer um sie her. Manche durften zur Ehre seines Namens das Zeugnis, das sie getragen hatten, mit ihrem Blut besiegeln; aber da waren andere mächtige Männer wie Luther und Melanchthon, die Gott am besten verherrlichen konnten, indem sie lebten und laut gegen die Sünden der Päpste, Priester und Könige schrieen. Diese erzitterten vor der Stimme Luthers. Durch diese ausgewählten Männer begannen Lichtstrahlen die Dunkelheit zu zerstreuen, und sehr viele empfingen das Licht freudig und wandelten darin. Und wenn ein Zeuge getötet wurde, wurden zwei oder mehr erweckt, um seinen Platz einzunehmen.

Aber Satan war nicht zufrieden. Er konnte nur Macht über den Körper haben. Er konnte die Gläubigen nicht veranlassen, ihren Glauben und ihre Hoffnung aufzugeben. Und sogar im Tod triumphierten sie mit einer hellen Hoffnung auf Unsterblichkeit bei der Auferstehung der Gerechten. Sie hatten mehr als die Energie der sterblichen Menschen. Sie wagten keinen Augenblick zu schlafen. Sie blieben mit der Rüstung des Christen umgürtet, bereit für den Kampf, nicht nur mit geistlichen Feinden, sondern sogar mit Satan in Gestalt von Menschen, dessen beständiger Schrei war: „Gebt euren Glauben auf, oder ihr sterbt!“ Diese wenigen Christen waren stark in Gott und kostbarer in seinen Augen als eine halbe Welt, die den Namen Christi trägt und doch feige in seiner Sache ist. Während die Gemeinde verfolgt wurde, waren sie vereint und liebten einander. Sie waren stark in Gott. Sündern wurde es nicht erlaubt, sich mit ihnen zu vereinen; weder den Betrügern noch den Betrogenen. Nur diejenigen, die willig waren, alles für Christus zu verlassen, konnten seine Jünger sein. Sie mochten es, arm, demütig und Christus ähnlich zu sein.

Siehe (Apostelgeschichte 9,15); Johannes 1,29; (Johannes 18,10); Lukas 22,61.62; (Epheser 6,10‑18); (Apostelgeschichte 3 – 4)

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