Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 25

Die Adventbewegung dargestellt

Ich sah eine Anzahl von Gruppen, die mit Seilen aneinander gebunden zu sein schienen. Viele in diesen Gruppen waren in völliger Finsternis. Ihre Augen waren hinunter zur Erde gerichtet und es schien keine Verbindung zwischen ihnen und Jesus zu bestehen. Ich sah Einzelne verstreut in diesen verschiedenen Gruppen, deren Angesichter hell aussahen und deren Augen nach oben zum Himmel aufgerichtet waren. Lichtstrahlen von Jesus, wie Lichtstrahlen von der Sonne, wurden ihnen verliehen. Ein Engel bat mich, sorgfältig zu schauen, und ich sah einen Engel über jeden wachen, der einen Lichtstrahl hatte, während böse Engel die umgaben, die in Finsternis waren. Ich hörte die Stimme eines Engels rufen: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen!“

Ein herrliches Licht ruhte auf diesen Gruppen, um alle zu erleuchten, die es empfangen würden. Manche von denen, die in Finsternis waren, empfingen das Licht und freuten sich; während andere dem Licht vom Himmel widerstanden und sagten, es sei eine Täuschung, um sie irre zu führen. Das Licht ging von ihnen fort, und sie wurden in Finsternis gelassen. Diejenigen, die das Licht von Jesus empfangen hatten, schätzten freudig die Zunahme von köstlichem Licht, das auf sie ausgeschüttet wurde. Ihre Angesichter hellten sich auf und strahlten vor heiliger Freude, während ihr Blick mit großem Interesse nach oben zu Jesus aufgerichtet war, und ihre Stimmen wurden in Harmonie mit der Stimme des Engels gehört: „Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre, denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen!“ Als sie diesen Ruf erhoben, sah ich diejenigen, die in Finsternis waren, sie mit ihrer Seite und ihrer Schulter stoßen. Da zerrissen viele von denen, die das heilige Licht schätzten, die Seile, die sie einschränkten, und sie verlißen diese Gruppen und trennten sich von ihnen. Und als viele die Seile, durch die sie gebunden waren, zerrissen, gingen Männer, die zu diesen verschiedenen Gruppen gehörten und von ihnen verehrt waren, durch die Gruppen, manche mit angenehmen Worten, andere mit zornigen Blicken und bedrohlichen Gesten; sie machten die Seile wieder fest, die schwächer wurden, und sagten beständig: „Gott ist mit uns. Wir stehen im Licht. Wir haben die Wahrheit.“ Ich fragte, wer diese Männer seien. Es wurde mir gesagt, dass sie Prediger und leitende Männer seien, die selbst das Licht verworfen hatten und nicht wollten, dass andere es empfangen. Ich sah diejenigen, die das Licht schätzten, mit Interesse und heißem Verlangen nach oben schauen und erwarten, dass Jesus kommen und sie zu sich nehmen würde. Bald ging eine Wolke über diejenigen, die sich in dem Licht freuten, und ihre Gesichter sahen betrübt aus. Ich fragte nach der Ursache dieser Wolke. Mir wurde gezeigt, dass es ihre Enttäuschung war. Die Zeit, in der sie ihren Heiland erwarteten, war vergangen, und Jesus war nicht gekommen. Entmutigung legte sich auf sie und diese Männer, die ich vorher bemerkt hatte, die Prediger und führenden Männer, freuten sich. Diejenigen, die das Licht verworfen hatten, triumphierten sehr, während Satan und seine Engel auch um sie herum frohlockten.

Dann hörte ich die Stimme eines anderen Engels sagen: „Gefallen, gefallen ist Babylon!“ Ein Licht schien auf diese Verzweifelten, und mit heißem Verlangen nach seiner Erscheinung richteten sie ihre Augen wieder auf Jesus. Dann sah ich eine Anzahl von Engeln sich mit dem zweiten Engel unterhalten, der gerufen hatte „Gefallen, gefallen ist Babylon!“ und diese Engel erhoben ihre Stimmen mit dem zweiten Engel und riefen: „Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!“ Die wohlklingenden Stimmen dieser Engel schienen überall hinzureichen. Ein außerordentlich helles und herrliches Licht schien um diejenigen herum, die das Licht schätzten, das ihnen verliehen worden war. Ihre Angesichter leuchteten vor lauter Herrlichkeit und sie vereinten sich mit den Engeln in dem Ruf: „Siehe, der Bräutigam kommt!“ Als sie harmonisch den Ruf unter diesen verschiedenen Gruppen erhoben, da wurden sie von denjenigen gestoßen, die das Licht verwarfen, und mit zornigen Blicken verspottet und verlacht. Aber die Engel Gottes schwangen ihre Flügel über die Verfolgten, während Satan und seine Engel versuchten, ihre Finsternis um sie herum zu schieben, um sie dahin zu führen, das Licht vom Himmel zu verwerfen.

Dann hörte ich eine Stimme zu denen sprechen, die gestoßen und verspottet worden wurden: „Geht hinaus von ihnen und rührt das Unreine nicht an.“ Eine große Anzahl zerriss die Seile, die sie gebunden hielten, und gehorchte der Stimme. Sie verließen diejenigen, die in Finsternis waren, und schlossen sich denen an, die vorher die Seile zerrissen hatten, und vereinigten freudig ihre Stimmen mit ihnen. Ich hörte die Stimme ernsten, ringenden Gebets von einigen, die noch bei den Gruppen, die in Finsternis waren, zurückgeblieben waren. Die Prediger und leitenden Männer gingen in diesen verschiedenen Gruppen umher und machten die Seile noch stärker fest; aber immer noch hörte ich diese Stimme des ernsten Gebets. Dann sah ich diejenigen, die gebetet hatten, ihre Hände um Hilfe nach der vereinten Gruppe ausstrecken, die frei war und sich in Gott freute. Die Antwort von ihnen, als sie ernst zum Himmel schauten und nach oben zeigten, war: „Geht heraus von ihnen und sondert euch ab.“ Ich sah Einzelne um Freiheit kämpfen, und schließlich zerrissen sie die Seile, die sie gebunden hielten. Sie widerstanden den Bemühungen, die gemacht wurden, um die Seile straffer zu befestigen, und beachteten nicht die wiederholten Behauptungen: „Gott ist mit uns. Wir haben die Wahrheit mit uns.“ Einzelne fuhren fort, die Gruppen zu verlassen, die in Finsternis waren, und schlossen sich der freien Gruppe an, die auf einem offenen Feld über der Erde erhoben zu sein schien. Ihr Blick war aufwärts gerichtet und die Herrlichkeit Gottes ruhte auf ihnen, und sie jauchzten und lobten Gott. Sie waren vereint und schienen in das Licht vom Himmel eingehüllt zu sein. Um diese Gruppe herum waren einige, die unter den Einfluss des Lichts kamen, aber nicht wirklich mit der Gruppe vereint waren. Alle, die das Licht schätzten, das auf sie ausgeschüttet wurde, blickten aufmerksam nach oben mit großem Interesse. Jesus blickte mit süßer Zustimmung auf sie. Sie erwarteten, dass Jesus kommen würde. Sie sehnten sich nach seiner Erscheinung. Sie warfen nicht einen zögernden Blick zur Erde. Wieder sah ich eine Wolke, die sich über die Wartenden legte. Ich sah sie ihre müden Augen niedersenken. Ich fragte nach der Ursache dieser Veränderung. Mein begleitender Engel sagte: „Sie sind wieder in ihren Erwartungen enttäuscht worden. Jesus kann noch nicht zur Erde kommen. Sie müssen noch für Jesus leiden und größere Prüfungen erdulden. Sie müssen Irrtümer und Traditionen, die sie von Menschen empfangen haben, aufgeben und sich ganz zu Gott und seinem Wort wenden. Sie müssen gereinigt, weiß gemacht und geläutert werden. Und diejenigen, die diese bittere Prüfung erdulden, werden einen ewigen Sieg erlangen.“

Jesus kam nicht zur Erde, wie die wartende, freudige Gruppe es erwartete, um das Heiligtum zu reinigen, indem er die Erde durch Feuer reinigte. Ich sah, dass ihre Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte richtig war. Die prophetische Zeit endete 1844. Ihr Fehler bestand darin, dass sie nicht verstanden, was das Heiligtum und die Art seiner Reinigung war. Jesus ging in das Allerheiligste ein, um das Heiligtum am Ende der Tage zu reinigen. Ich schaute wieder auf die wartende, enttäuschte Gruppe. Sie sahen traurig aus. Sorgfältig prüften sie die Beweise ihres Glaubens und gingen durch die Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte und konnten keinen Fehler entdecken. Die Zeit war erfüllt, aber wo war ihr Heiland? Sie hatten ihn verloren.

Mir wurde dann die Enttäuschung der Jünger gezeigt, als sie zu dem Grab kamen und den Körper Jesu nicht fanden. Maria sagte: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Engel sagten den trauernden Jüngern, dass ihr Herr auferstanden war und vor ihnen nach Galiläa gehen würde.

Ich sah, als Jesus mit dem tiefsten Mitleid auf die Enttäuschten blickte, da sandte er seine Engel, um ihre Gemüter zu führen, so dass sie ihn finden und ihm dorthin folgen könnten, wo er war; damit sie verstehen, dass die Erde nicht das Heiligtum ist, sondern dass er in das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums eintreten musste, um es zu reinigen; um eine besondere Sühnung für Israel zu erwirken und um das Reich von seinem Vater zu empfangen und dann zur Erde zurückzukehren und sie zu holen, damit sie für immer bei ihm wohnen. Die Enttäuschung der Jünger stellt gut die Enttäuschung derjenigen dar, die ihren Herrn 1844 erwarteten. Ich wurde in die Zeit zurückversetzt, als Christus triumphierend in Jerusalem einzog, auf einem Esel reitend. Die freudigen Jünger glaubten, dass er dann das Königreich einnehmen und als ein Prinz dieser Welt regieren würde. Sie folgten ihrem König mit großen Hoffnungen. Sie hieben schöne Palmzweige ab, zogen ihre äußeren Kleider aus und breiteten sie mit begeistertem Eifer auf dem Weg aus; und manche gingen voran und andere folgten nach und riefen: „Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!“ Die Aufregung störte die Pharisäer und sie wünschten, dass Jesus seine Jünger zurechtweisen würde. Aber er sagte ihnen: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Die Prophezeiung aus Sacharja 9,9 musste erfüllt werden, doch ich sah, dass über den Jüngern eine bittere Enttäuschung verhängt war. Ein paar Tage später folgten sie Jesus nach Golgatha und sahen ihn blutend und entstellt am grausamen Kreuz hängen. Sie waren Zeugen seines qualvollen Todes und legten ihn in das Grab. Ihre Herzen versanken in Kummer. Ihre Erwartungen hatten sich nicht in einem einzigen Teil erfüllt. Ihre Hoffnungen starben mit Jesus. Aber als er vom Tod auferstand und seinen trauernden Jüngern erschien, lebten ihre Hoffnungen wieder auf. Sie hatten ihren Heiland verloren, aber sie hatten ihn wiedergefunden.

Ich sah, dass die Enttäuschung derer, die an das Kommen des Herrn im Jahr 1844 glaubten, nicht der Enttäuschung der Jünger gleichkam. Die Prophezeiung wurde erfüllt in der ersten und zweiten Engelsbotschaft. Diese wurden zur rechten Zeit gegeben und erfüllten das Werk, das Gott für sie vorgesehen hatte.

Siehe Offenbarung 14,7; Offenbarung 14,8; Matthäus 25,6; Offenbarung 18,4; 2. Korinther 6,17; Daniel 12,9.10; Johannes 20,11‑13; Markus 16,5‑7; Daniel 8,14; Hebräer 8,1.2; Matthäus 21,1‑11; Lukas 19,28‑40; Sacharja 9,9

Geh zum Anfang zurück
Geh zum Kapitel 26 - Eine andere Darstellung
Geh zurück zum Inhaltsverzeichnis