Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 27

Das Heiligtum

Dann wurde mir die schmerzliche Enttäuschung des Volkes Gottes gezeigt. Sie sahen Jesus nicht zu der erwarteten Zeit. Sie wussten nicht, warum ihr Heiland nicht kam. Sie konnten keinen Beweis sehen, warum die prophetische Zeit nicht beendet war. Ein Engel sagte: „Hat Gottes Wort versagt? Hat Gott darin versagt, seine Verheißungen zu erfüllen? Nein, er hat alles erfüllt, was er verheißen hat.“ Jesus hatte sich erhoben und die Tür zum Heiligen des himmlischen Heiligtums geschlossen, und eine Tür zum Allerheiligsten geöffnet, und ist eingetreten, um das Heiligtum zu reinigen. Der Engel sagte: „Alle, die geduldig warten, werden das Geheimnis verstehen.“ Die Menschen haben sich geirrt, aber es war kein Fehler von Seiten Gottes. Alles, was Gott verheißen hatte, wurde erfüllt; aber die Menschen schauten irrtümlicherweise zur Erde und glaubten, diese wäre das Heiligtum, das am Ende der prophetischen Zeitspanne gereinigt werden sollte. Die Erwartungen der Menschen sind fehlgeschlagen; aber Gottes Verheißungen nicht im Geringsten. Jesus sandte seine Engel, um die Enttäuschten zu führen und um ihre Gedanken auf das Allerheiligste zu lenken, wohin er gegangen war, um das Heiligtum zu reinigen und eine besondere Sühnung für Israel zu erwirken. Jesus sagte den Engeln, dass alle, die ihn fanden, das Werk verstehen würden, das er tun wird. Ich sah, dass Jesus, während er sich im Allerheiligsten befand, das neue Jerusalem heiraten wird, und nachdem sein Werk im Allerheiligsten vollendet ist, wird er in königlicher Macht zur Erde herabkommen und die Kostbaren zu sich nehmen, die geduldig auf seine Wiederkehr gewartet haben.

Dann wurde mir gezeigt, was im Himmel stattfand, als die prophetischen Zeitspannen im Jahr 1844 endeten. Als der Dienst Jesu im Heiligen endete und er die Tür dieser Abteilung schloss, da sah ich, wie sich eine große Finsternis auf diejenigen legte, welche die Botschaften von Christi Kommen gehört und verworfen hatten, und sie verloren ihn aus den Augen. Jesus bekleidete sich dann mit kostbaren Gewändern. Ringsherum am Saum seines Gewandes waren je eine Schelle und ein Granatapfel. Von seinen Schultern herab hatte er ein Brustschild von kunstreicher Arbeit hängen. Als er sich bewegte, funkelte es wie Diamanten, und vergrößerte die Buchstaben, die aussahen wie auf dem Brustschild geschriebene oder eingegrabene Namen. Nachdem er vollständig bekleidet war mit etwas auf seinem Haupt, das aussah wie eine Krone, umgaben ihn Engel, und in einem feurigen Wagen fuhr er hinter den zweiten Vorhang. Dann wurde ich gebeten, die zwei Abteilungen des himmlischen Heiligtums zu betrachten. Der Vorhang, oder die Tür, wurde geöffnet und mir wurde erlaubt, einzutreten. In der ersten Abteilung sah ich den Leuchter mit sieben Lampen, der glanzvoll und herrlich aussah, und auch den Tisch, auf dem das Schaubrot war, und den Räucheraltar und das Räuchergefäß. Die ganze Ausstattung dieser Abteilung sah aus wie reinstes Gold und spiegelte das Bild dessen wieder, der diesen Ort betrat. Der Vorhang, der diese zwei Abteilungen trennte, sah herrlich aus. Er war aus verschiedenen Farben und Materialien, mit einem wunderschönen Saum, mit Figuren aus Gold eingewebt, die Engel darstellten. Der Vorhang wurde angehoben und ich blickte in die zweite Abteilung. Dort sah ich eine Lade, deren Erscheinung aus feinstem Gold war. Als Rand um den Deckel der Lade herum war eine wunderschöne Anfertigung, die Kronen darstellte. Sie war aus feinem Gold. In der Lade befanden sich die Steintafeln, welche die Zehn Gebote enthielten. An jedem Ende der Lade war ein lieblicher Cherub, mit den Flügeln über sie ausgebreitet. Die Flügel beider waren hoch erhoben und berührten sich über dem Haupte Jesu, wenn er bei der Lade stand. Ihre Angesichter waren einander zugewandt und sie blickten auf die Lade herab, wodurch sie das ganze Heer der Engel darstellten, das mit Interesse auf das Gesetz Gottes blickt. Zwischen den Cherubim war ein goldenes Räuchergefäß. Und wenn die Gebete der Heiligen im Glauben zu Jesus heraufkamen und er sie seinem Vater darbrachte, stieg ein wohlriechender Duft von dem Räucherwerk auf. Dieser sah aus wie Rauch in den schönsten Farben. Über dem Ort, wo Jesus stand, vor der Lade, sah ich eine so leuchtende Herrlichkeit, dass ich auf sie nicht blicken konnte. Es erschien wie ein Thron, wo Gott wohnte. Als das Räucherwerk zum Vater aufstieg, kam die außerordentliche Herrlichkeit vom Thron des Vaters zu Jesus, und von Jesus wurde sie über die ausgegossen, deren Gebete wie wohlriechendes Räucherwerk heraufgekommen waren. Licht und Herrlichkeit wurden in reicher Fülle auf Jesus ausgegossen und überschatteten den Gnadenthron, und die der Herrlichkeit füllte den Tempel. Ich konnte nicht lange auf diese Herrlichkeit schauen. Keine Sprache kann sie beschreiben. Ich war überwältigt und wandte mich von der Majestät und Herrlichkeit dieser Szene.

Mir wurde ein Heiligtum auf der Erde gezeigt, das zwei Abteilungen enthielt. Es war dem im Himmel ähnlich. Mir wurde gesagt, dass es das irdische Heiligtum sei, ein Nachbild des himmlischen. Die Ausstattung der ersten Abteilung des irdischen Heiligtums war wie die in der ersten Abteilung des himmlischen. Der Vorhang wurde angehoben und ich blickte in das Allerheiligste und sah, dass die Ausstattung gleich war wie im Allerheiligsten des himmlischen Heiligtums. Der Priester diente in beiden Abteilungen des irdischen. In der ersten Abteilung diente er jeden Tag des Jahres, aber das Allerheiligste betrat er nur einmal im Jahr, um es von den Sünden zu reinigen, die dorthin übertragen worden waren. Ich sah, dass Jesus in beiden Abteilungen des himmlischen Heiligtums diente. Er betrat das himmlische Heiligtum durch das Opfer seines eigenen Blutes. Die irdischen Priester konnten wegen des Todes nicht lange im Dienst bleiben. Aber ich sah, dass Jesus ein Priester für immer ist. Durch die Opfer und Gaben, die zum irdischen Heiligtum gebracht wurden, sollten die Kinder Israels die Verdienste eines kommenden Heilands erfassen. Und in Gottes Weisheit wurden uns die Einzelheiten dieses Werkes gegeben, dass wir darauf zurückschauen und das Werk Jesu im himmlischen Heiligtum verstehen können.

Bei der Kreuzigung, als Jesus auf Golgatha starb, rief er “Es ist vollbracht!”, und der Vorhang des Tempels zerriss entzwei von oben bis unten. Das sollte zeigen, dass die Dienste im irdischen Heiligtum für immer beendet waren, und dass Gott ihnen nicht mehr in ihrem irdischen Tempel begegnen würde, um ihre Opfer anzunehmen. Das Blut Jesu wurde damals vergossen und sollte von ihm selbst im himmlischen Heiligtum dargebracht werden. Wie die Priester im irdischen Heiligtum einmal im Jahr das Allerheiligste betraten, um das Heiligtum zu reinigen, so betrat Jesus das Allerheiligste des himmlischen am Ende der 2300 Tage aus Daniel 8 im Jahr 1844, um eine endgültige Sühnung für alle zu erwirken, die seine Vermittlung nutzen konnten, und um das Heiligtum zu reinigen.

Siehe (Josua 21,45; 23,14); 2. Mose 25,8.9; Hebräer 8,1.2; Daniel 8,14; (2. Mose 28,31‑34.15‑21.29); 2. Mose 37,10‑29; 40,1‑8; 26,31‑34; 25,10‑22; Hebräer 9,2‑4; Offenbarung 8,3.4; 2. Mose 25,8.9.40; Hebräer 8,5; Hebräer 9,6.7.11.12; Hebräer 7,23.24; Mattäus 27,50.51; Markus 15,37.38; Lukas 23,44‑46; Johannes 19,28‑30

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