Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 15

Die Juden beschlossen, Paulus zu töten

Die Hohenpriester und Herrscher wurden von Hass gegen Paulus getrieben, als sie die Wirkung seines Erfahrungsberichtes erlebten. Sie sahen, dass er mutig Jesus predigte und Wunder in seinem Namen wirkte, und dass Scharen ihm zuhörten und sich von ihren Traditionen abwandten und sie als Mörder des Sohnes Gottes ansahen. Ihr Zorn entbrannte und sie versammelten sich, um zu beraten, was am besten zu tun sei, um die Aufregung zu unterdrücken. Sie kamen darin überein, dass der einzig sichere Weg für sie sei, Paulus zu töten. Aber Gott wusste von ihrer Absicht und Engel wurden beauftragt, ihn zu schützen, dass er leben möge, um seine Mission zu erfüllen und für den Namen Jesu zu leiden.

Paulus wurde benachrichtigt, dass die Juden ihm nach dem Leben trachteten. Satan führte die ungläubigen Juden dazu, die Tore von Damaskus Tag und Nacht zu bewachen, dass, wenn Paulus aus den Toren herauskommen sollte, sie ihn sofort töten könnten. Aber die Jünger ließen ihn in der Nacht in einem Korb über die Mauer hinab. Hier wurden die Juden über ihren Misserfolg beschämt und Satans Ziel war vereitelt. Paulus ging nach Jerusalem, um sich den Jüngern anzuschließen, doch sie fürchteten sich alle vor ihm. Sie konnten nicht glauben, dass er ein Jünger sei. Die Juden trachteten ihm in Damaskus nach dem Leben und seine eigenen Brüder wollten ihn nicht aufnehmen, aber Barnabas nahm ihn auf, führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Weg den Herrn gesehen und dass er in Damaskus freimütig im Namen Jesu gepredigt hatte.

Aber Satan hetzte die Juden auf, Paulus zu vernichten und Jesus sagte ihm, Jerusalem zu verlassen. Und als er in andere Städte ging, Jesus predigte und Wunder wirkte, wurden viele bekehrt. Als ein Mann geheilt wurde, der immer lahm gewesen war, wollte das Volk, das Götzen anbeteten, den Jüngern Opfer bringen. Paulus war bekümmert darüber und sagte ihnen, dass sie nur Menschen seien, und dass sie Gott anbeten müssten, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darin ist, gemacht hat. Paulus erhöhte Gott vor ihnen, aber er konnte das Volk kaum zurückhalten. Die erste Erkenntnis des Glaubens an den wahren Gott und der Anbetung und Ehre, die ihm gebühren, wurde ihrem Verstand deutlich. Und als sie Paulus zuhörten, drängte Satan die ungläubigen Juden aus anderen Städten dazu, Paulus nachzugehen, um das gute Werk, das durch ihn gewirkt wurde, zu vernichten. Die Juden hetzten das Volk auf und entflammten die Gemüter dieser Götzendiener durch falsche Berichte gegen Paulus. Die Verwunderung und Verehrung des Volkes verwandelte sich jetzt in Hass, und diejenigen, die kurze Zeit vorher bereit waren, die Jünger anzubeten, steinigten Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus in der Meinung, er sei gestorben. Doch als die Jünger Paulus umringten und ihn beklagten, stand er zu ihrer Freude auf und ging mit ihnen in die Stadt.

Als Paulus Jesus predigte, folgte ihnen eine gewisse Frau, die von einem Wahrsagegeist besessen war und schrie: „Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die uns den Weg des Heils verkündigen.“ So folgte sie den Jüngern viele Tage. Aber Paulus war aufgebracht, denn dieses Schreien hinter ihnen lenkte die Gemüter des Volkes von der Wahrheit ab. Das Ziel Satans, der sie dazu veranlaßte, war es, einen Widerwillen im Volk zu erregen und den Einfluß der Jünger zu zerstören. Aber Paulus’ Geist war bewegt in ihm, und er wandte sich zu der Frau und sprach zu dem Geist: „Ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, dass du von ihr ausfährst.“ Und der böse Geist wurde getadelt und verließ sie.

Ihren Herren gefiel es, dass sie hinter den Jüngern herschrie, aber als der böse Geist sie verlassen hatte und sie sahen, dass sie eine sanftmütige Jüngerin Jesu geworden war, da wurden sie wütend. Sie hatten viel Geld durch ihr Wahrsagen verdient und nun war die Hoffnung auf ihren Gewinn verschwunden. Satans Ziel war vereitelt, aber seine Diener ergriffen Paulus und Silas und schleppten sie auf den Markt vor die Obersten und Richter und sagten: „Diese Menschen, die Juden sind, verwirren unsere.“ Und die Volksmenge stand gegen sie auf und die Richter rissen ihnen die Kleider ab und befahlen, sie zu schlagen. Nachdem sie ihnen viele Schläge gegeben hatten, warfen sie sie ins Gefängnis und geboten dem Kerkermeister, sie sicher zu verwahren. Dieser warf sie auf diesen Befehl hin ins innere Gefängnis und schloss ihre Füße in den Block. Aber die Engel Gottes begleiteten sie zwischen den Gefängnismauern. Ihre Verhaftung erzählte von der Herrlichkeit Gottes und zeigte dem Volk, dass Gott mit seinem Werk und mit seinen auserwählten Dienern war, und dass von ihm Gefängnismauern erschüttert und starke, eiserne Riegel mit Leichtigkeit geöffnet werden können.

Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobten Gott mit Gesang, als plötzlich ein großes Erdbeben geschah, so dass die Grundfesten des Gefängnisses erschüttert wurden; und ich sah, dass der Engel Gottes sofort die Fesseln von allen löste. Da erwachte der Kerkermeister und erschrak, als er die Gefängnistüren offen sah. Er dachte, die Gefangenen seien entflohen und er müsste dafür mit dem Tod bestraft werden. Als er sich töten wollte, rief Paulus mit lauter Stimme: „Tu dir kein Leid an, denn wir sind alle hier!“ Die Macht Gottes überzeugte den Kerkermeister. Er forderte ein Licht, sprang hinein und fiel zitternd vor Paulus und Silas nieder. Und er führte sie hinaus und sprach: „Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ Und sie sprachen: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du gerettet werden, du und dein Haus!“ Der Kerkermeister versammelte seinen ganzen Haushalt und Paulus predigte ihnen Jesus. Das Herz des Kerkermeisters wurde mit diesen Brüdern vereint, und er wusch ihnen die Striemen ab, und er und sein ganzes Haus wurden in dieser Nacht getauft. Dann deckte er ihnen den Tisch und freute sich, dass er mit seinem ganzen Haus an Gott gläubig geworden war.

Die wunderbare Nachricht von der herrlichen Macht Gottes, die beim Öffnen der Gefängnistüren und bei der Bekehrung und Taufe des Kerkermeisters und seiner Familie offenbart wurde, verbreitete sich überall. Die Herrscher hörten von diesen Dingen und bekamen Angst. Sie sandten zum Kerkermeister und baten ihn, Paulus und Silas gehen zu lassen. Aber Paulus wollte das Gefängnis nicht im Geheimen verlassen. Er sprach zu ihnen: „Sie haben uns, die wir Römer sind, ohne Urteil öffentlich geschlagen, und ins Gefängnis geworfen, und jetzt schicken sie uns heimlich fort? Nicht so; sondern sie mögen selbst kommen und uns hinausführen!“ Paulus und Silas waren nicht willig, dass die Offenbarung der Macht Gottes verheimlicht werden sollte. Die Amtsdiener berichteten diese Worte den Richtern; und diese fürchteten sich, als sie hörten, dass sie Römer seien. Und sie kamen und redeten ihnen zu, führten sie heraus und baten sie, die Stadt zu verlassen.

Siehe Apostelgeschichte 9,23‑30; Apostelgeschichte 14,1‑20; Apostelgeschichte 16,16‑40

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