Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 16

Paulus besuchte Jerusalem

Kurz nach seiner Bekehrung besuchte Paulus Jerusalem und predigte Jesus und das Wunder seiner Gnade. Er erzählte seine wunderbare Bekehrung, was die Priester und Obersten wütend machte, und sie trachteten ihm nach dem Leben. Aber um sein Leben zu retten, erschien Jesus ihm wieder in einer Vision während er betete und sprach zu ihm: „Eile und geh schnell aus Jerusalem fort, denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen.“ Paulus bat Jesus ernsthaft: „Herr, sie wissen selbst, dass ich die, welche an dich glaubten, ins Gefängnis werfen und in den Synagogen schlagen ließ, und dass auch ich dabei stand, als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen wurde, und seiner Hinrichtung zustimmte und die Kleider derer verwahrte, die ihn töteten.“ Paulus dachte, dass die Juden in Jerusalem seinem Zeugnis nicht widerstehen könnten und sie bedenken würden, dass die große Veränderung in ihm nur durch die Macht Gottes gewirkt werden konnte. Aber Jesus sprach zu ihm: „Geh hin, denn ich will dich in die Ferne zu den Heiden senden.“

Während seiner Abwesenheit von Jerusalem schrieb Paulus viele Briefe an verschiedene Orte, berichtete seine Erfahrung und gab ein kraftvolles Zeugnis. Aber manche strebten danach, den Einfluss dieser Briefe zu vernichten. Sie mussten zugeben, dass seine Briefe gewichtig und kraftvoll waren; aber sie erklärten, seine körperliche Gegenwart sei schwach und seine Rede sei zu verachten.

Ich sah, dass Paulus ein sehr gelehrter Mann war und seine Weisheit und sein Benehmen begeisterten seine Zuhörer. Gelehrten Männern gefielen seine Erkenntnisse und viele von ihnen glaubten an Jesus. Wenn er vor Königen und großen Versammlungen stand, zeigte er eine solche Beredsamkeit, die alle vor ihm überwältigte. Das versetzte die Priester und Ältesten in große Wut. Paulus konnte leicht in tiefe Beweisführungen gehen, hinaufgehen und das Volk mit sich ziehen in die erhabensten Gedankenfolgen, die tiefen Reichtümer der Gnade Gottes zeigen und vor ihnen die erstaunliche Liebe Christi darstellen. Dann kam er mit Einfachheit zu dem Verständnis der gewöhnlichen Menschen herab und berichtete in der kraftvollsten Art und Weise seine Erfahrung, die in ihnen den brennenden Wunsch hervorrief, Jünger Christi zu sein.

Der Herr offenbarte Paulus, dass er wieder hinauf nach Jerusalem gehen musste und dass er dort gebunden werden und für seinen Namen leiden würde. Und obwohl er für lange Zeit ein Gefangener war, trug der Herr doch durch ihn sein besonderes Werk weiter. Paulus’ Fesseln waren die Mittel, um die Erkenntnis Christi zu verbreiten und dadurch Gott zu verherrlichen. Als er von Stadt zu Stadt gesandt wurde wegen seines Verhörs, wurden sein Zeugnis über Jesus und die interessanten Ereignisse seiner Bekehrung vor Königen und Statthaltern berichtet, damit sie nicht ohne Zeugnis über Jesus bleiben sollten. Tausende glaubten an ihn und freuten sich in seinem Namen. Ich sah, dass Gottes besondere Absicht erfüllt wurde bei Paulus’ Reise auf dem Wasser: dass die Schiffsmannschaft durch Paulus die Macht Gottes sehen könnte und dass auch die Heiden von dem Namen Jesu hören und viele bekehrt werden könnten durch seine Lehren und dadurch, dass sie die Wunder bezeugten, die Paulus wirkte. Könige und Statthalter waren begeistert über seine Beweisführung, und als er mit Eifer und der Kraft des heiligen Geistes Jesus predigte und die interessanten Ereignisse seiner Erfahrung berichtete, da bemächtigte sich ihrer die Überzeugung, dass Jesus der Sohn Gottes war; und während einige sich mit Erstaunen wunderten, als sie Paulus zuhörten, rief einer aus: „Es fehlt nicht viel und du überredest mich, dass ich ein Christ werde.“ Doch sie dachten, dass sie irgendwann in der Zukunft erwägen würden, was sie gehört hatten. Satan nützte diese Verzögerung, und als sie die günstige Gelegenheit versäumten, als ihre Herzen weich waren, war sie für immer dahin. Ihre Herzen verhärteten sich.

Mir wurde das Werk Satans gezeigt, indem er zuerst die Augen der Juden verblendete, so dass sie Jesus nicht als ihren Erlöser annehmen würden; und als nächstes sie dazu führte, ihm aus Neid über seine mächtigen Werke nach dem Leben zu trachten. Satan drang in einen von Jesu eigenen Nachfolgern und führte ihn dazu, diesen in ihre Hände zu verraten und sie kreuzigten den Herrn des Lebens und der Herrlichkeit. Nachdem Jesus vom Tod auferstanden war, häuften die Juden Sünde auf Sünde, als sie versuchten, die Tatsache der Auferstehung zu verheimlichen, indem sie die römische Wache mit Geld bestachen, eine Lüge zu bezeugen. Aber die Auferstehung Jesu war doppelt gesichert durch die Auferstehung einer Schar von Zeugen, die sich mit ihm erhoben. Jesus erschien seinen Jüngern und mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, während die, die er mit sich heraufgebracht hatte, vielen anderen erschienen und verkündigten, dass Jesus auferstanden war.

Satan hatte die Juden dazu gebracht, gegen Gott zu rebellieren, indem sie sich weigerten, seinen Sohn anzunehmen und ihre Hände mit dem kostbarsten Blut befleckten indem sie ihn kreuzigten. Egal wie kraftvoll der Beweis gegeben worden war, dass Jesus der Sohn Gottes, der Erretter der Welt ist, sie hatten ihn ermordet und konnten keinen Beweis zu seinen Gunsten annehmen. Ihre einzige Hoffnung und Trost war, wie bei Satan nach seinem Fall, dass sie versuchten, gegen den Sohn Gottes die Oberhand zu gewinnen. Sie fuhren ihre Rebellion fort, indem sie Christi Jünger verfolgten und sie zu Tode brachten. Nichts klang so hart in ihren Ohren wie der Name Jesu, den sie gekreuzigt hatten; und sie waren entschlossen, nicht einen einzigen Beweis zu seinen Gunsten anzuhören. Wie im Fall von Stephanus, als der heilige Geist durch ihn den mächtigen Beweis verkündigte, dass er der Sohn Gottes sei, da hielten sie sich die Ohren zu, damit sie nicht überzeugt werden könnten. Und während Stephanus in die Herrlichkeit Gottes eingehüllt war, steinigten sie ihn zu Tode. Satan hatte die Mörder Jesu fest in seinem Griff. Durch böse Werke ergaben sie sich selbst als seine willigen Unterworfenen und durch sie war er an der Arbeit, diejenigen zu beunruhigen und zu belästigen, die an Christus glaubten. Er wirkte durch die Juden, um die Heiden gegen den Namen Jesu und gegen die, die ihm folgten und an seinen Namen glaubten, aufzuhetzen. Aber Gott sandte seine Engel, um die Jünger für ihre Arbeit zu stärken, damit sie von den Dingen, die sie gesehen und gehört hatten, Zeugnis ablegen und zuletzt durch ihre Standhaftigkeit ihr Zeugnis mit ihrem Blut besiegeln könnten.

Satan freute sich, dass die Juden sicher in seinen Schlingen gefangen waren. Sie setzten noch immer ihre nutzlosen Bräuche, ihre Opfer und Satzungen fort. Als Jesus am Kreuz hing und ausrief: “Es ist vollbracht!”, da zerriss der Vorhang im Tempel von oben nach unten entzwei, um kundzutun, dass Gott nicht länger mit den Priestern im Tempel zusammentreffen würde, um ihre Opfer und Bräuche anzunehmen; und auch um zu zeigen, dass die trennende Mauer zwischen den Juden und den Heiden niedergerissen war. Jesus hatte sich selbst als Opfer für beide dargebracht, und wenn sie gerettet würden, mussten beide an Jesus glauben als das einzige Opfer für die Sünde und den Erlöser der Welt.

Während Jesus am Kreuz hing, als der Soldat seine Seite mit einem Speer durchbohrte, da kamen Blut und Wasser heraus in zwei getrennten Strömen, einer aus Blut, der andere aus klarem Wasser. Das Blut sollte die Sünden derjenigen wegwaschen, die an seinen Namen glauben würden. Das Wasser stellt das lebendige Wasser dar, das von Jesus erlangt wird, um dem Gläubigen Leben zu geben.

Siehe Apostelgeschichte 22,17‑21; 2. Korinther 10,10; Apostelgeschichte 27,1 – 28,10; Apostelgeschichte 26,28; 1. Korinther 15,3‑8; Apostelgeschichte 7,55‑60; Markus 15,37.38; Matthäus 27,50.51; Lukas 23,44‑46; Johannes 19,28‑30; Johannes 19,33‑36; 1. Johannes 5,6‑8; 1. Johannes 1,7; Johannes 4,13‑14

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