Der große Kampf, Ausgabe von 1858

Kapitel 17

Der große Abfall

Ich wurde weiter in die Zeit versetzt, als die heidnischen Götzendiener die Christen grausam verfolgten und sie töteten. Das Blut floss in Strömen. Die Edlen, die Gelehrten und das einfache Volk wurden in gleicher Weise ohne Gnade erschlagen. Wohlhabende Familien wurden zu Armut gebracht, weil sie ihre Religion nicht aufgeben wollten. Ungeachtet der Verfolgung und der Leiden, die diese Christen ertragen mussten, wollten sie ihren Maßstab nicht herabsetzen. Sie hielten ihre Religion rein. Ich sah, dass Satan über die Leiden von Gottes Volk frohlockte und triumphierte. Aber Gott schaute mit großer Anerkennung auf seine treuen Märtyrer; und die Christen, die in dieser furchtbaren Zeit lebten, waren sehr geliebt von ihm, denn sie waren willig, um seinetwillen zu leiden. Jedes Leid, dass sie erduldeten, vergrößerte ihre Belohnung im Himmel. Doch obwohl Satan sich freute, weil die Heiligen litten, war er doch nicht zufrieden. Er wollte ebenso Kontrolle über den Verstand wie über den Körper haben. Die Leiden, die diese Christen erduldeten, trieben sie näher zum Herrn und führten sie dazu, einander zu lieben und mehr denn je zu befürchten, ihn zu betrüben. Satan wünschte sie dahin zu führen, dass sie Gott missfallen; dann würden sie ihre Stärke, ihren Mut und ihre Festigkeit verlieren. Obwohl Tausende umgebracht wurden, so standen doch andere auf, um ihre Plätze einzunehmen. Satan sah, dass er seine Untertanen verlor, und obwohl sie Verfolgung und Tod erlitten, so waren sie doch in Jesus Christus sicher und wurden Untertanen seines Reiches. Und er machte Pläne, um erfolgreicher gegen die Herrschaft Gottes zu kämpfen und die Gemeinde umzustürzen. Er führte die heidnischen Götzendiener dazu, einen Teil des christlichen Glaubens anzunehmen. Sie bekannten, an die Kreuzigung und Auferstehung Christi zu glauben, doch ohne eine Veränderung des Herzens, und schlugen vor, sich mit den Nachfolgern Jesu zu vereinigen. Oh, was für eine furchtbare Gefahr für die Gemeinde! Es war eine Zeit geistiger Qual. Manche dachten, wenn sie herabkommen und sich mit diesen Götzendienern, die einen Teil des christlichen Glaubens angenommen hatten, vereinen würden, dann wäre dies das Mittel zu ihrer Bekehrung. Satan suchte die Lehren der Bibel zu verderben. Schließlich sah ich, dass der Maßstab herabgesetzt wurde, und die Heiden vereinten sich mit den Christen. Sie waren Götzenanbeter und obwohl sie vorgaben, Christen zu sein, brachten sie ihren Götzendienst mit sich. Sie veränderten nur die Gegenstände ihrer Anbetung mit Bildern von Heiligen, und sogar mit dem Bild Christi und Marias, der Mutter Jesu. Die Christen vereinten sich nach und nach mit ihnen, und die christliche Religion wurde verderbt, und die Gemeinde verlor ihre Reinheit und Kraft. Manche weigerten sich, sich mit ihnen zu vereinen und bewahrten ihre Reinheit und beteten Gott allein an. Sie wollten sich nicht beugen vor irgendeinem Bild von etwas, das oben im Himmel oder unten auf der Erde ist.

Satan frohlockte über den Fall von so vielen. Dann hetzte er die gefallene Gemeinde auf, diejenigen, welche die Reinheit ihrer Religion bewahren wollten, dazu zu zwingen, sich entweder ihren Zeremonien und ihrer Bilderanbetung zu fügen oder getötet zu werden. Die Feuer der Verfolgung wurden wieder gegen die wahre Gemeinde Jesu Christi angezündet, und Millionen wurden ohne Gnade erschlagen.

Dies wurde mir in folgender Weise gezeigt. Eine große Mannschaft von heidnischen Götzendienern trug eine schwarze Fahne, auf der Figuren der Sonne, des Mondes und der Sterne waren. Diese Mannschaft schien sehr hitzig und zornig zu sein. Dann wurde mir eine andere Mannschaft gezeigt, die eine reine, weiße Fahne trug, auf der geschrieben stand: „Reinheit und Heiligkeit dem Herrn“. Ihre Angesichter waren von Festigkeit und himmlischer Ergebung gekennzeichnet. Ich sah, wie die heidnischen Götzendiener sich ihnen näherten, und es gab ein großes Gemetzel. Die Christen schwanden vor ihnen dahin; und dennoch schloss sich die christliche Mannschaft umso dichter zusammen und hielt die Fahne noch fester. Während viele von ihnen fielen, sammelten sich andere um die Fahne und füllten ihre Plätze.

Ich sah, wie sich die Mannschaft der Götzendiener zusammen beriet. Es gelang ihnen nicht, die Christen zu veranlassen, sich ihnen zu fügen, und so kamen sie zu einem anderen Plan überein. Ich sah, wie sie ihre Fahne senkten und sie näherten sich der standhaften christlichen Mannschaft und machten ihnen Vorschläge. Zuerst wurden ihre Vorschläge gänzlich abgelehnt. Dann sah ich, wie sich die christliche Mannschaft zusammen beriet. Manche sagten, sie würden die Fahne senken, die Vorschläge annehmen und ihr Leben retten, und schließlich könnten sie Kraft erlangen, um ihre Fahne unter diesen heidnischen Götzendienern zu erheben. Aber einige wollten diesem Plan nicht zustimmen, sondern entschieden sich standhaft, lieber zu sterben und die Fahne zu halten, als sie zu senken. Dann sah ich viele aus dieser christlichen Mannschaft die Fahne senken und sich mit den Heiden vereinen; während die Entschlossenen und Standhaften die Fahne ergriffen und sie wieder hoch hielten. Ich sah Einzelne ständig die Mannschaft derer verlassen, welche die reine Fahne trugen, und sich zu den Götzendienern gesellen, und sie vereinten sich zusammen unter der schwarzen Fahne, um diejenigen zu verfolgen, welche die weiße Fahne trugen. Viele wurden erschlagen, dennoch wurde die weiße Fahne hoch gehalten und Einzelne wurden erweckt, um sich um diese zu sammeln.

Die Juden, die zuerst die Wut der Heiden gegen Jesus veranlassten, sollten nicht entkommen. In der Gerichtshalle schrieen die aufgebrachten Juden, als Pilatus zögerte, Jesus zu verurteilen: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder.“ Die jüdische Nation erfuhr die Erfüllung dieses schrecklichen Fluches, den sie auf ihr eigenes Haupt herabrief. Heiden und die sogenannten Christen waren in gleicher Weise ihre Feinde. Diese vorgeblichen Christen dachten in ihrem Eifer für das Kreuz Christi, je mehr Leiden sie über die Juden bringen würden, weil diese Jesus gekreuzigt hatten, desto besser könnten sie Gott gefallen. Und viele dieser ungläubigen Juden wurden getötet, während andere von Ort zu Ort getrieben und auf fast jede Weise bestraft wurden.

Das Blut von Christus und von den Jüngern, die sie dem Tode überliefert hatten, lag auf ihnen und mit schrecklichen Gerichten wurden sie heimgesucht. Der Fluch Gottes folgte ihnen und sie wurden zum Sprichwort und Gespött für die Heiden und die Christen. Sie wurden gemieden, erniedrigt und verabscheut, als ob das Zeichen von Kain auf ihnen war. Doch ich sah, dass Gott dieses Volk wunderbar bewahrte und sie über die Welt zerstreute, dass man auf sie schauen würde als besonders vom Fluch Gottes heimgesucht. Ich sah, dass Gott die Juden als Nation verlassen hatte; doch da war ein Teil von ihnen, die befähigt würden, die Decke von ihren Herzen zu reißen. Manche werden trotzdem sehen, dass sich die Prophezeiung über sie erfüllt hat, und sie werden Jesus als den Erlöser der Welt annehmen und die große Sünde ihrer Nation sehen, indem diese Jesus verworfen und ihn gekreuzigt hat. Einzelne unter den Juden werden bekehrt werden, aber als Nation sind sie für immer von Gott verlassen.

Siehe Philipper 1,29; 1. Mose 20,1‑6; Matthäus 27,22‑25

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